Wenn das Gehirn endlich hören kann ...

Das missverstandene Kind

Ich nenne ihn Jonathan. Alle meine Trainingsbuben heißen so. 

 

Seine frühe Geschichte ist eine Geschichte, die ich sehr oft höre, wenn ich eine auditive Wahrnehmungsschwäche feststelle.

 

Grund der Vorstellung: Konzentrationsprobleme

 

Risikoschwangerschaft, vorzeitiger aber geplanter Kaiserschnitt, Jonathan musste vom Arzt aus dem Mutterleib *herausgezogen werden*,  er hat sich da anscheinend festgeklammert gehabt.

 

Jonathan hatte zwar eine mehr oder weniger normale Sprachentwicklung, aber mit „s“ und „sch“ Probleme. 

 

Anfangs konnte Jonathan nur rückwärts krabbeln. Auch jetzt noch tut er sich generell sehr schwer, neue Bewegungsabläufe zu lernen bzw. nachzumachen.

 

Jonathan schnarche in der Nacht. Prinzipiell schlafe er schlecht.

 

Sein Lehrerin beobachtet:

Jonathan höre nicht richtig zu.

Er könne die Aufmerksamkeit nicht halten.

Er höre die Anlaute nicht heraus.

Er spricht undeutlich.

Genauer hinsehen und hinhören lohnt sich!

Jonathan hat nun eine Horchtherapie nach BENAUDIRA begonnen. Nach der 1. CD erfolgte ein neues Hörscreening. Da fiel auf, dass speziell das linke Ohr um bis zu 10 Dezibel besser hört. Die Mutter berichtet u.a., dass Jonathan seit geraumer Zeit beim Einschlafen Angst habe. Es müsse das Licht brennen bleiben. Sie könne sich das nicht erklären.

 

Ich kann es schon:

Das „linke Ohr“ ist sozusagen das „Umwelt-Ohr“. Jonathan  kann nun durch die bessere Hörwahrnehmung seine Umwelt anders und deutlicher wahrnehmen. Er muss erst lernen, die nächtlichen Geräusche einzuordnen.

 

Darauf meinte die Mama:

Da fällt mir ein, dass Jonathan, wenn er nicht einschlafen konnte, mich in letzter Zeit auffallend oft gefragt hat, was das am Abend für eigenartige Geräusche seien. Sie machen ihm möglicherweise Angst!

Die Mama meinte weiters, dass sie das für eine Ablenkungstaktik gehalten habe! Sie könne das nun in einem anderen Zusammenhang sehen.

 

Kinder können nicht so wie Erwachsene ausdrücken, was "los" ist. Sie zeigen durch ihr Verhalten, wie zum Beispiel durch Angst, Unruhe oder andere Verhaltensweisen, dass etwas nicht stimmt.

 

Mich macht es traurig, dass vieles als negatives Verhalten ausgelegt wird und nicht als Hinweis.

 

Franzi Püller

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