Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir …

Netty (Name geändert), 4. Schulstufe, kommt mit ihren Eltern. Es soll abgeklärt werden, ob bei Netty eine Dyskalkulie oder Rechenschwäche vorliege. „Ein nettes, sympathisches Mädchen!“, kommt mir in den Sinn. Freundlich und offen lässt sie sich auf ein Gespräch mit mir ein. Sie gehe gerne in die Schule, erklärt sie mir. „Alle meine Freundinnen aus der Kindergartenzeit gehen dorthin, wir machen viel in der Natur und spielen Theater.“

 

Die Mutter berichtet über den schulischen Werdegang. Das sei die dritte Schule, die Netty jetzt besuche. Normalerweise vermute ich bei solchen Erzählungen, dass das Kind weitreichende hinderliche Symptome also so genannte Teilleistungsdefizite mit sich herumschleppt, die schulisches Überleben schwierig machen. Aber bei Netty war es echt Pech mit den Pädagoginnen. Manchmal stimmt halt die Chemie wirklich nicht.  Netty ist ein sehr sensibles Mädchen und hat ein sehr feines Gehör. Auch jetzt berichtet sie auf die Frage, was ihr in der jetzigen Schule nicht gefalle, dass eine Lehrerin *schreie*. Sie nehme es aber nicht mehr ernst. Für das Leben gelernt?

 

Übrigens: Die Diagnostik ergab nicht das Vorhandensein einer Dyskalkulie, sondern einer Rechenerwerbsschwäche. Ich freue mich schon sehr, mit Netty in das Land der Zahlen zu reisen und zu erleben, wie aus der Rechenverweigerung Rechenbegeisterung wird.

 

 

Franzi Püller

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